Willkommen im Orient

Blick auf Maskat

Blick auf Maskat

Datteln in Sesam und Kaffee aus goldener Kaffeekanne unter großen Kronleuchtern – das war unser Empfang noch am Flughafen von Maskat, der Hauptstadt von Oman. Meine Aufgabe: dokumentieren, was auf der Reise von Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July aus Württemberg und seiner kleinen Delegation im Sultanat passiert. Der Bischof reist auf Einladung des Religionsministers Scheich Abdullah al-Salmi, der an interreligiösem Austausch interessiert ist. Er soll in der großen Moschee der Hauptstadt über “Toleranz” sprechen. In einem islamischen Land. Mal sehen.

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Daheim in Stuttgart musste der Fahrer des Bischofs auf Schnee und vereisten Straßen fahren, in Zürich verzögerte sich unser Weiterflug, weil die Tragflächen enteist werden mussten, – im Orient empfängt uns milde Nachtluft. Der Kontrast ist groß. Doch es sind nicht die Temperaturen. Es ist das Polizeiauto, das mit Blaulicht der Eskorte von drei Wagen vorausfährt, vorbei an Moscheen und palastartigen Gebäuden in orientalischer Architektur. Wir erhalten einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Willkommen im Oman als Gäste des Sultanats.

(Samstag, 9. Februar 2013)

Fotos: S. Stürmer

Weihrauch, Weisheit und Wachteleier

Religionsminister und unser Gastgeber: Scheich Abdullah al-Salmi

Religionsminister und unser Gastgeber: Scheich Abdullah al-Salmi

Leichter Weihrauchduft hängt in den Fluren des Religionsministeriums, Männer mit silbernen Krummsäbeln, den „Khanjar“, und weißen Gewändern empfangen uns.  Eine kleine Delegation aus Württemberg: Neben Landesbischof Frank Otfried July noch Heinrich-Georg Rothe, der Islambeauftragte unserer Landeskirche, und Professor Dr. Stefan Schreiner aus Tübingen vom Institut für Religionswissenschaft und Judaistik. Mit dabei ist auch Prof. emer. Heinz Gaube aus Berlin, den das Ministerium für Religiöse Angelegenheiten zu diesem Treffen dazugebeten hat als Islam- und Omankenner. Und natürlich Stefan Adam und ich, als mitreisende Journalisten immer unterwegs mit Kamera, Foto und Notizblock.

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Scheich Abdullah al-Salmi, der Minister für Religiöse Angelegenheiten, lässt Kaffee reichen und Halwa, eine omanische Süßspeise aus Dattelmus. Später sind wir bei ihm zuhause. Gewöhnt an funktionales Design, stellen Intarsien in Tischen, Mosaiken an Wänden, Spiegel und Inschriften fast eine Reiszüberflutung dar. Auch das Essen ist nichts für Puristen: Von Thunfischtartar mit Wachteleiern und Kaviar, Suppe von grünem Spargel mit glasiertem Ziegenkäse, Lemonensorbet, Rinderfilet bis zum abschließenden Käse mit Honig aus Bienenwaben reicht das Menue – und damit sind nicht alle Gänge aufgezählt.

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Sprichwörtliche Gastfreundschaft und Eindrücke wie aus Tausendundeine Nacht. Doch das ist nur der äußere Rahmen. Es geht um mehr als Düfte und Genüsse. Hier präsentiert sich jemand, der den Dialog mit anderen Religionen sucht. Und das nicht nur heimlich, hinter vorgehaltener Hand:  Vom Besuch der christlichen Gäste des Religionsministers ist schon bald in den omanischen Zeitungen zu lesen. Toleranz ist ein großes Thema. In einem islamischen Land. Und nicht erst seit gestern. Seit Jahrhunderten leben im Oman unterschiedliche Religionen gut zusammen. Das wird weise gepflegt: Sultan Qaboos stiftete einen Lehrstuhl in Cambridge für “abrahamitische Studien”. Nicht für Islam, nicht für Christentum, nicht für Judentum. Wer dort studiert, muss alles machen.

Mal sehen, wie der deutsche Botschafter, der heute noch auf dem Programm steht, die Lage im Land einschätzt. Der Bischof jedenfalls ergreift die ausgestreckte Hand zu diesem interreligiösen Dialog gerne.

(Sonntag, 10. Februar 2013)

Wenn Religion zur Politik wird

Fort in Nizwa mit Minarett der Sultan-Qaboos-Moschee

Fort in Nizwa mit Minarett der Sultan-Qaboos-Moschee

Ehrlich gesagt, nach dem Besuch bei Scheich Abdullah al-Salmi – dem Religionsminister –, nach 1001-Worten zu Religion, Geschichte und Toleranz und nach einem siebengängigen Menue bin ich reichlich müde. Andererseits putscht die Gelegenheit, mit so unterschiedlichen Menschen zu sprechen, mich wieder auf wie starker Mokka.

Hans-Christian Freiherr von Reibnitz, deutscher Botschafter im Oman

Hans-Christian Freiherr von Reibnitz, deutscher Botschafter im Oman mit Bischof July

Also: weiter zum deutschen Botschafter in Oman, Hans-Christian Freiherr von Reibnitz. Wir sitzen mit Blick auf den Golf von Oman in seiner Residenz und hören bestätigt, was wir den Tag über immer wieder vernommen haben: Oman ist ein Land, in dem religiöse Toleranz Programm ist. Seit Jahrhunderten dürfen selbst Hindus – deren Glaube für viele Muslime reine Häresie ist – ihre Tempel im Oman errichten.
Doch zunehmend wird diese tolerante Politik in Frage gestellt. So sind die hochrangigen Einladungen und die Polizeieskorte für den Bischof und seine Begleiter als Zeichen zu verstehen, die an das Land des Sultans selbst gerichtet sind – und an den großen Nachbarn Saudi-Arabien: Oman möchte nach innen und außen das Gesicht eines geprächsoffenen Islam zeigen.

Bischof July erhält beim Treffen der evangelischen Kirchen ein Geschenk

Bischof July erhält beim Treffen der evangelischen Kirchen ein Geschenk

Nur Worte, die sich wie Weihrauch verflüchtigen? Nein, das zeigt mir die nächste Station: Prunk und Pracht der omanischen Regierung lassen wir hinter uns beim Besuch der evangelischen Kirchen in Oman im Stadtteil Ruwi. Hier sind Plastikstühle und Resopaltische aufgestellt. Dafür ist von überquellenden Kirchen die Rede, von Wartelisten für den Gottesdienstraum, von hunderten von Kindern bei Gemeindeveranstaltungen – und auch von der Erfahrung, hier gut Christ sein zu können. Mein Reiseführer zitiert den Artikel 17 der omanischen Verfassung: “Alle omanischen Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich […]. Es gibt keine Diskriminierung zwischen ihnen aufgrund von Geschlecht, Herkunft Farbe, Sprache, Religions- oder Sektenzugehörigkeit, Wohnsitz oder sozialer Stellung.”

Und wie ist das mit Apostaten? Meines Wissens ist es auch nicht erlaubt, dass Muslime an einem Gottesdienst teilnehmen. Alles nicht so einfach. Es lässt sich zwar manchmal leichter leben mit Klischees, aber sicher nicht besser. Merk ich mal wieder in Oman. Ein langer, wunderlicher, anstrengender und schöner Tag geht zu Ende.

(Sonntag, 10. Februar 2013)

Omanische Journalisten fragen nach …

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… wie es eigentlich bei uns aussieht mit dem Zusammenleben von Muslimen und Christen. Und warum in unserem Land über Karrikaturen des Propheten gelacht wird. Und warum ein christlicher Pastor in den USA einen Koran verbrennt. Der Religionsminister, Scheich Abdullah al-Salmi, auf dessen Einladung wir im Oman sind, hat zu einer Pressekonferenz in sein Ministerium geladen.

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Ein schönes Bild: Der Bischof mit Bischofskreuz unter dem Bild von Sultan Qaboos. Um ihn omanische Journlisten mit Turban und in “dishdashas” gekleidet, dem bodenlangen Gewand, das hier jeder trägt, gleich ob Minister oder Autohändler, und das das  islamische Ideal der Gleichheit widerspiegelt (das an anderer Stelle natürlich an seine Grenzen kommt). Und der Bischof gibt Antwort: “Es ist das Recht eines jeden Menschen mit seiner Religion zu leben. Die Kirche möchte die Rechte der Minoritäten stützen.” Und die Kollegen von der Presse schreiben eifrig mit. Am nächsten Tag erscheinen Artikel im Oman Observer, Oman Arabic oder Times of Oman. Und so machen wir wieder die Erfahrung: Der Besuch des Bischofs und der hier geführte christliche-islamisch Dialog ist keine Veranstaltung, die unter der Hand abläuft.

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Gut gefällt mir, was der Bischof zu den Medien sagt: “Unser Bild ist zu stark davon geprägt, was sich in den Medien niederschlage, und weil meist “bad news good news” sind, finden sich dort  Bilder von Fundamentalismus und Hass.” Wichtig dagegen sind persönliche Begegnungen, so der Bischof. Tja, das machen wir hier ja gerade. Ist auch gut so. Allerdings gibt es zuhause vermutlich wieder wenig Berührungspunkte. Kann sich ja ändern.

(Montag, 11. Febraur 2013)

Der Bischof und die Moschee

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Ein riesiges Walskelett an der Decke und zum Glück eine sehr tote Wolfspinne hinter Glas. Eine kurze Verschnaufpause im  Historischen Naturkunde Museum zwischen all den Scheichs, Ministern und dem Protokoll. Da ist so ein ausgestopfter Leopard echte Entspannung. Doch die Reise verläuft ja nicht unter dem Motto “Urlaub im Orient”, und so empfängt uns nach dieser kurzen Unterbrechung im Außenministerium Sayyid Badr, der Generaldirektor des Ministeriums, zusammen mit der ehemaligen omanischen Botschafterin in Deutschland. Es sind nicht nur Höflichkeiten, es sind auch Erwartungen im Spiel – gerade auch an Bischof July: “Es ist die Aufgabe von Menschen wie Ihnen, diese Botschaft von einem friedfertigen Islam zu verbreiten. Nicht nur unter den Intellektuellen, sondern an der Basis. Eine Hand allein kann nicht klatschen, deshalb brauchen wir diese Bemühungen”, so Sayyid Badr.

Also ist heute Abend der Bischof die andere Hand. Dass er als Bischof im Vortragsraum einer der größten Moscheen weltweit sprechen darf zum Thema “Toleranz und Glaube aus christlicher Perspektive”soll ein Zeichen dafür sein.

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Die Große-Sultan-Qaboos-Moschee ist wunderschön in der Nacht. Ihre Kuppel leuchtet orangerot durch ein feines Netz aus Betonbändern. Das Hauptminarett ragt mit über 90 Metern in den Himmel, an dem eine dünne Mondsichel auf dem Rücken liegt. Rund 150  Christen und Muslime hören dem Bischof zu, der von einem “Welthaus” spricht, in dessen Zimmer wir alle leben.
“Religiöse Menschen wollen diese Welt mitgestalten, für Werte und Orientierungen einstehen. Sie tragen eine besondere Verantwortung in Zeiten des Umbruchs, der Veränderung. Sie sollen das friedensstiftende Potential, das versöhnende Potential des Glaubens zeigen.”

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Zuhörer beim Vortrag des Bischofs in der Großen-Sultan-Qaboos-Moschee

Natürlich gibt es auch im Oman Kritiker. Menschen, die einen Islam nach saudi-arabischem Vorbild möchten. Doch es ist dieser tolerante Islam der Ibaditen, dem der Bischof heute Abend die Hand reicht.

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Bischof July und der Generaldirektor des Außenministeriums Sayyid Badr

(Montag, 11. Febraur 2013)

Rein in den Alltag

IMG_3226_600Gegen fünf Uhr wird es im Oman schlagartig dunkel. Die Nacht fällt über das Land und jetzt erst beginnt der Souq im alten Stadtviertel Maskat zu leben: Weihrauch, Plastikkitsch, Silberwaren und riesige Reistöpfe – hier gibt es alles zu kaufen. Und hier sind endlich auch einmal Frauen unterwegs. Bislang sind sie nur wenig in Erscheinung getreten. Auf der Suche nach dem alltäglichen Leben und seinen Bildern werden wir hier endlich fündig. Denn mit Blaulicht im Konvoi über die roten Ampeln zu rasen, beim deutschen Botschafter an der Teetasse zu nippen, all das ist ja für uns ein bisschen “Scheinwelt”.

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Oman, das von sich sagt, es sei die Heimat Sindbads, des unerschrockenen Seefahrers aus “Tausendundeine Nacht”, hat viele Sindbads hervorgebracht. Schon im 8. Jahrhundert reisten sie bis nach China. Gehandelt wurde über Jahrhunderte mit Weihrauch, Leopardenfellen, Gold, chinesischem Porzellan, Sklaven. Der Reichtum, der sich in Oman anhäufte, soll den in den Sagen beschriebenen noch überschreiten. Vielleicht haben die Menschen in ihren “dishdashas” und den bestickten Kopfbedeckungen noch etwas von diesen Händlern im Blut – aber die Atmosphäre ist viel gelassener als in Souqs anderer Länder. Ich fühle mich jedenfalls weder bedrängt noch getrieben.

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Zumal wir heute wieder ein immenses Pensum an Gesprächen und Begegnungen abgearbeitet haben: In großer Unbeschwertheit wird das Programm für unsere Delegation immer wieder verändert. So haben wir zum Beispiel mit Scheich Khalid bin Hilal Al-Maawaliv gesprochen, dem Vorsitzenden des 1997 eingeführten Senats (madjilis ash’shura). Dabei ging es auch um die Frage der Pressefreiheit. Ein heißes Eisen.  „Die Medien verwenden die Religion für ihre eigenen Zwecke, um mehr Publicity zu erreichen. Die Freiheit hat ein Ende, wenn du dem anderen Schaden zufügst.“ So die Meinung von Scheich Al-Maawali. Der deutsche Botschafter wünschte sich, dass die „rote Linie“, die festlegt, was geht und was nicht geht, auch im Parlament diskutiert wird. Wo kommt Meinungsfreiheit an ihre Grenzen? Professor Schreiner wies darauf hin, dass die Kopplung von Medien und Religion auch eine Chance beinhalte: „Es ist eine wichtige Entwicklung in Deutschland, dass religiöse Themen – u. a. seit der Beschneidungsdebatte – wieder öffentlich in der Gesellschaft diskutiert werden.“ Und so sind wir ganz schnell wieder mitten im Alltag angekommen, auch abseits des Souq.

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Zu Gast beim Vorsitzenden des Senats, Scheich Khalid bin Hilal Al-Maawali (re. vom Bischof)

Inzwischen hat Abdullrahman al-Salmi, der Berater des Religionsministers, zum Mittagessen geladen. Die Atmosphäre hat sich seit der ersten Begegnung geändert: Dem vorsichtigen, höflichen Austausch ist ein unbeschwerter, fröhlicher Ton gewichen.

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Berater des Religionsministers: Dr. Abdullrahman al-Salmi

Am Nachmittag dann noch das Al-Amana Centre, gegründet von der reformierten Kirche in den USA und ein Hort der Aufklärung und sozialen Engagements für Arbeitsimmigranten: “Die Christen wissen zu wenig über den Islam. Sie verbinden ihn vor allem mit Gewalt, wir wollen das ändern”, sagt Douglas Leonard, der Direktor des Zentrums. Und lädt radikal-evangelikale Protestanten aus den USA ein, eintauchen in die arabisch-islamische Welt.

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Douglas Leonard (rechts), Direktor des Al-Amana Centre

Dabei arbeitet das christliche Al-Amana-Zentrum mit dem Scharia-Insitut zusammen. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Gespräche: Erst Begegnung macht Verstehen möglich.
O. K., viel trockene Infos, aber wir haben eben auch wieder viel erlebt.

(Dienstag, 12. Februar 2013)

Wüste, Oasen und Zerfall

Ich sitze vor meiner Hütte und schaue direkt auf die Dünen der Wahiba-Wüste. Jetzt, am Abend, leuchten die über 100-Meter hohen Sandberge orangerot. Eigentlich müsste man eine solche Landschaft in absoluter Stille genießen. Doch wir sind ja als Staatsgäste unterwegs. Und so macht man mit uns, was man hier wohl sehr gerne macht: Wir fahren mit den Geländewagen auf die Dünen hoch, um oben die Sonne untergehen zu sehen.

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Die fest gefügte Ordnung unseres Konvois sieht heute anders aus: Fuhren bislang hinter dem Polizeiauto der Bischof mit einem Teil der Reisenden im Mercedes, dann Polizei im BMW und abschließend der Rest der Delegation im Audi, so stehen heute Geländewagen vor der Tür. Wir brechen auf ins Landesinnere.

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Gleich hinter der Stadt beginnt das braune Al-Hadjar-Gebirge, das den Küstenstreifen abriegelt. Schnell ist das Land nur noch dünn besiedelt. Die Straßen sind über hunderte von Kilometern jedoch bestens ausgebaut. Dass 1970 nur 9 Kilometer asphaltiert gewesen sein sollen, kann man sich kaum vorstellen.

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Kurz vor Al-Hamra schlängelt sich die Straße den Berg hoch. Die Oase liegt an einer Bergflanke. Inmitten von braunem Geröll und Stein, dicht neben einer tiefen Schlucht, kleben Häuser am Hang, eingebettet in das Grün der vielen Palmen, Bananenstauden und Getreide. Al-Hamra ist eine Quelloase. Die Häuser stehen auf Felsen, das kostbare Land wird für den Anbau benötigt. In Fenstern hängen Tonkrüge und kühlen das Trinkwasser. Kleine Kanäle leiten das Wasser zu den Feldern und Häuser, ein Stein mit Lumpen verschließt den Abfluss – die Wasserzuteilung ist genau reglementiert.

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Nicht jede Oase hat eine Quelle. Viele regeln ihren Wasserbedarf durch Afladj, alte Bewässerungsgräben und heißen entsprechend Faladj-Oasen. Durch Gestein sickerndes Wasser wird aufgefangen und in den kunstvoll vor Jahrhunderten angelegten Gräben weitergeleitet. Die Wasserwärter sind hoch angesehen im Dorf. Auch Nizwa, die alte Hauptstadt, ist eine Faladj-Oase. Hier besichtigen wir Fort und Museum, besuchen eine alte Moschee und die alten Stadtteile von Ibra: zerfallende Lehmhäuser, teilweise herrschaftlich gebaut mit mehreren Stockwerken, wundervoll geschnitzten Ornamenten an Türstöcken und Fensterrahmen, doch alles dem Zerfall preisgegeben. Eine Tradition kommt an ihr Ende.

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Traditionell geschnitzter Türstock in Ibra

Mit dieser etwas morbiden Stimmung kommen wir am Rande der Wüste in einem Camp an. Aus den Fahrern werden wilde  Jungs, die die Geländewagen über die Sandpiste jagen. Auf dem Rücksitz verlasse ich mich darauf, dass die schon wissen werden, was sie da mit 100 Stundenkilometern tun – ich selbst würde ja eher mit 20 Stundenkilometern dahin schleichen, zumal das Auto auf dem Sand schlingert und die vorausfahrenden Wagen in den Sandwolken nicht zu sehen sind.
Als wir dann aber oben auf den Dünen stehen und dann barfuß die Sanddünen runter rennen, haben wir mindestens so viel Spaß wie die eben erwähnten wild gewordenen Jungs.

(Mittwoch, 13. Febraur 2013)

Schneegedanken und Abschied

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Warum nicht in der Wüste bleiben? Der Gedanke daran, dass ich morgen früh genau um diese Zeit in Deutschland im Schnee stehen werden, behagt mir irgendwie nicht. Lieber Kamele anschauen, Füße in den Sand bohren, Kaffee aus hauchdünnen Tässchen trinken. Doch die Geländewagen warten, in Ibra stoßen der Botschafter und seine Frau zu uns, wir sind Gäste von Abdull-Rahman al-Salmi, der uns zu sich nach Hause in Bidiyyah eingeladen hat. Bidiyyah liegt am Rande der Wüste, die hohen Dünen sind vom Ort aus zu sehen. Das war der letzte offizielle Programmpunkt der Reise. Ein Blick in die Bibliothek dieser einflussreichen Familie im Oman, ein gutes Essen für das ein Schaf sein Leben ließ, dann fahren wir durch das Gebirge zurück an die Küste.

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Im Hotel packen wir die Koffer, ehe wir ein letztes Mal die Vergünstigungen als Staatsgäste in Anspruch nehmen: Wir werden zum Flughafen gefahren, warten wieder in derselben prächtigen Halle wie bei der Ankunft bis alle anderen Gäste im Flugzeug sitzen, ehe auch wir dorthin gebracht werden.

(Donnerstag, 14. Februar 2013)